Regen, Regen, Lindisfarne und…Regen

Lindisfarne stand auf der Liste der Orte, die ich hier besuchen wollte, ganz oben. Lindisfarne, auch Holy Island genannt, ist eine kleine Insel vor der Küste Northumberlands, die bei Ebbe über eine Straße zu erreichen ist. Holy Island wird sie genannt, weil sich, wie heute noch sichtbar, auf ihr ein Kloster befand, in dem die Lindisfarne Gospels entstanden und dem Saint Cuthbert entstammt, um dessen Gebeine Durham Cathedral erbaut wurde. Lindisfarne wurde nämlich immer wieder von Wikingern überfallen, was irgendwann die Aufgabe des Klosters bedeutete und die Mönche dazu brachte, eine neue Ruhestelle für ihren Heiligen zu suchen.

Wir machten uns also zu viert auf den Weg. Schon morgens gab es einige SMS des Zweifels über das Wetter. Es regnete. Da Lindisfarne jedoch gut 130 km von Durham entfernt liegt (da muss das Wetter doch anders sein) und sich unsere Zeit hier dem Ende neigt, beschlossen wir dennoch, zu fahren.

Wir hatten uns über die Tide an jenem Tag informiert und kamen entsprechend zu einer Zeit an, an der wir eine Straße, und nicht das Meer, vorfanden. Die Überfahrt dauert keine fünf Minuten und doch stehen am Rand der Straße alle paar Meter Schilder, die besagen, dass man, falls man an dieser Stelle Wasser sieht, sofort umkehren soll. In der Mitte der absurd anmutenden Strecke gibt es sogar ein Rettungshäuschen, auf das man hinaufklettern kann, sollte man es im Notfall erreichen.

Später am Tag sahen wir ein Schild mit Fotos verunglückter Autos, die bis zum Dach im Wasser standen und deren Insassen per Hubschrauber gerettet werden mussten. Dass Leute unerwartet von der Flut überrascht werden, so informierte uns später ein Inselbewohner, passiert ca. einmal im Monat (trotz der vielen Warnungsschilder und der Tafeln, die speziell über die Gezeiten informieren).

Die Anfahrt war jedenfalls sehr schön. Man fährt nicht alle Tage „durch’s Meer.“ Dort, wo die Insel begann, sich zu erheben, gab es einen Teppich aus verschiedenen Mosen und kleinen voiletten Blümchen, die später vom Wasser überspült wurden.

Wir stellten das Auto ab und schmissen uns in den Regen. Erst ging es zu den Ruinen der Priory (Socken trocken). Wir beguckten eine kleine Ausstellung in einem (trockenen) Museum und sahen uns draußen (nass) die Mauerreste des Klosters an. Etwas enttäuscht stellten wir fest, dass der Warming Room des Klosters auch nicht wärmer war als der Rest.

Zum Mittagessen gingen wir (im Kern trocken, Oberfläche etwas angelöst) in einen hübschen Pub (trocken), wo wir tatsächlich auf den Kaplan des Colleges zweier meiner Mitreisender trafen. Er gesellte sich zu uns und sagte erstmal, gestern sei das Wetter viel besser gewesen (trocken, nehme ich an). Er empfahl uns, in den Norden der Insel zu gehen, wo wir vielleicht Robben sehen könnten…wäre es etwas trockener… Wir unterhielten uns eine Weile mit ihm und vermieden es so ein wenig, rauszugehen.

Wir wollten allerdings zum Castle der Insel. Also, wieder raus in den mittlerweile noch stärker gewordenen Regen. Nach etwa einer Viertelstunde erreichten wir das Eintrittskartenverkaufshäuschen, in dem es drei Individuen wagten, sich im Trockenen aufzuhalten. Als ich meine Eintrittskarte mit Karte zahlen wollte, musste ich die Verkäuferin bitten, diese erst einmal trocken zu wischen, bevor sie benutzt wurde. Sie tat das auch prompt an ihrer Hose.

Durch den Regen hoch zum Castle…unten hatte man uns gesagt, oben würde es Aufhänger für unsere Jacken geben und geheizt (!) sein. Wir begannen also durch das gemütliche Castle zu schlurfen und überall kleine Pfützen zu hinterlassen. Soweit ich mich erinnere, war es schon schön dort, doch war ich hauptsächlich damit beschäftigt, von Heizung zu Heizung zu hüpfen, um mich (Jacke nass, Hose nass, Socken nass) etwas zu trocknen.

Die zahlreichen Mitarbeiterinnen des National Trusts im Castle erzählten uns (alle unabhängig voneinander), dass wir nicht die einzigen gewesen seien, die Pech mit dem Wetter hatten. Am Morgen hatte es eine Hochzeit im Castle gegeben, doch die Braut habe es trotz des Regens geschafft, fabelhaft auszusehen (wir nicht). (Ja, die Trockenen haben Zeit, über solche Dinge nachzudenken…)

Nach unserem Besuch im Castle machten wir uns noch auf den Weg in den Norden der Insel. Dort wanderten wir durch schöne Dünen (und traten dabei auf nicht wenige Schnecken). Als wir später wieder beim Auto ankamen und uns hinsetzten, war ein allgemeiner Ausruf des Nicht-Erfreut-Seins-Über-In-Nassen-Hosen-Sitzen zu hören.

Zwar war unser Besuch auf Lindisfarne nass, doch haben wir die Insel auch in schöner, rauher Atmosphäre erlebt.

Anmerkung: Die Bilder sehen zu trocken aus. Und: Drei Tage nach unserem Ausflug waren meine Schuhe immer noch nass. Da hab ich meinen englischen Regen.

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